ADFC Fahrradklima-Test 2018 Teilnahmerekord, aber schlechte Bewertung: Note 4 ein Warnsignal für Brandenburg


„Über 5.600 Teilnehmer beim diesjährigen Fahrradklima-Test, eine Steigerung von 45 Prozent gegenüber 2016, belegen: Radfahren ist für immer mehr Menschen in Brandenburg ein wichtiges Thema. Insgesamt 36 Kommunen haben es diesmal in die Auswertung geschafft, das macht neun mehr als vor zwei Jahren. Das ist ein toller Erfolg für uns und gibt der Umfrage auch mehr Aussagekraft“, so Stefan Overkamp, Landesvorsitzender des ADFC Brandenburg. „Gleichzeitig stelle ich fest, dass die Förderung des Radverkehrs nicht von der Stelle kommt. Verglichen mit den Bewertungen aus 2016 steht Brandenburg heute noch schlechter da als vor zwei Jahren. Niemand darf sich wundern, dass der Radverkehrsanteil nicht steigt, wenn die Bedingungen so sind, dass im Durchschnitt nur die Note ‚ausreichend‘ vergeben wird. Angebot und Nachfrage passen noch längst nicht zusammen“, schlussfolgert Overkamp.

Besonders schlecht fallen im Landesdurchschnitt die Noten für die Bereiche Komfort beim Radfahren (4,1), Stellenwert des Radverkehrs (3,9) und Sicherheit beim Radfahren (3,8), aus. Drei Gründe, warum nach Überzeugung des ADFC der Radverkehr nicht – wie politisch gewünscht – deutlich anwächst. Der Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehr in Brandenburg liegt aktuell bei 11 Prozent, wie das jüngste Mobilitätspanel „Mobilität in Deutschland“ erhoben hat.

Ein Blick auf die Unfallzahlen, die im Februar von der Brandenburger Polizei veröffentlicht wurden, bestätigen den Eindruck der befragten Radfahrer zur Sicherheit:  Die Zahl der Fahrradunfälle mit Personenschaden ist 2018 um 12% gestiegen. Dass das Land Brandenburg nicht mehr unter den TOP 10 der beliebtesten Radreiseregionen ist, zeigt, dass mehr für den Komfort für Radfahrer getan werden muss, zum Beispiel bei der Mitnahme von Fahrrädern im ÖPNV.
    
Der ADFC sieht sich durch die Ergebnisse in seinen Forderungen bestätigt. „Brandenburg verdient eine bessere Verkehrspolitik, die den Radverkehr stärkt und dadurch die Lebensqualität in unseren Städten und Gemeinden erhöht“, so der Landesvorsitzende des ADFC. Ein ganzes Maßnahmenbündel sei notwendig, um Radfahren in Brandenburg attraktiver zu machen und nicht weiter zurück zufallen.

Der ADFC fordert deshalb eine Änderung des Brandenburger Straßengesetzes. Damit soll die direkte Verantwortung des Landes für Planung, Bau und Unterhalt von Radschnellverbindungen und überregionalen Radwegen möglich werden. „Was für Straßen selbstverständlich ist, muss auch Maßstab für den Radweg sein“, so Overkamp weiter.

Der ADFC fordert ein großzügiges Modernisierungsprogramm und eine wesentlich bessere Verknüpfung von Fahrrad und öffentlichem Nahverkehr. Insgesamt müssen die vom Land bereitgestellten Mittel auf mindestens 50 Mio EUR im Jahr aufgestockt werden. „Viele Radwege im Land sind alt und in schlechtem Zustand. Die Ergebnisse des Fahrradklima-Tests bestätigen die erschreckende Tendenz des Mobilitätspanels MiD, das Brandenburg einen Rückgang des Radverkehrsanteils bescheinigt. Auch die Tatsache, dass Brandenburg in der ADFC-Radreiseanalyse aus der Liga der beliebtesten Radregionen abgestiegen ist, passt ins Bild. Diese drei Nachrichten sind ein Warnsignal für die Brandenburger Verkehrspolitik!“, mahnt der märkische Verkehrsclub.

Ein besonderes Merkmal des Fahrradklima-Tests ist der Vergleich der Städte und Gemeinden untereinander. Diese werden dazu nach Größe in Gruppen zusammengefasst. Es zeigt sich, dass in größeren Städten die Situation schlechter beurteilt wird als in Kleinen. Bei den Städten über 500.000 Einwohnern kommt selbst der Spitzenreiter Bremen nicht über einen Wert von 3,5 hinaus.

Ein Blick auf drei Kommunen: Potsdam, Falkensee, Teltow


Die Landeshauptstadt Potsdam konnte in der Kategorie 100.000-200.000 Einwohner mit einem Wert von 3,6 einen Spitzenplatz (Platz 5) im bundesweiten Gesamtranking erreichen. In Potsdam haben sich erstmals mehr als 1.000 Radfahrer am ADFC Fahrradklima-Test beteiligt.

Zu den Potsdamer Ergebnissen äußert sich Ortsgruppen-Chef Ulf Hildebrand: „Im Einzelnen ergeben sich bei den 27 Einzelfragen keine dramatischen Ausreißer im Vergleich zu 2016. Obwohl Potsdam nochmal im Bundesranking einen Platz nach vorne gerückt ist, ist die gesamte Bewertung leicht schlechter. Das heißt, die Entwicklung in Potsdam stagniert, auch wenn sich die Stadt zu Recht als Vorreiter in Brandenburg sieht.“

In Falkensee haben 2018 dank aktiver Werbung durch die ADFC-Ortsgruppe und die Stadtverwaltung fast 3-mal so viele Radfahrer teilgenommen wie 2016. „Das ist sehr erfreulich, die Ergebnisse sind es leider weniger: Falkensee schneidet mit einer Note 4,3 nur marginal "besser" ab als 2016 mit 4,4,“ erläutert Uwe Kaufmann, Sprecher der ADFC-Ortsgruppe Falkensee. Damit landet Falkensee zum dritten Mal in Folge auf dem letzten Platz in der Wertung aller Städte bis 50.000 EW in Brandenburg.

Kaufmann weiter: „Unsere Ortsgruppe Falkensee fühlt sich in ihrem Ziel zur signifikanten Verbesserung der Radverkehrsinfrastruktur bestätigt. Wir verlangen von der Stadtpolitik einen Masterplan "Radverkehr"! Denn Falkensee war und ist eine Fahrradstadt - das wird bekräftigt durch die überdurchschnittlich "gute" Note von 2,8 in der Antwort auf die Frage "Alle fahren Fahrrad.“

Auch in Teltow ist das Interesse am Radfahren groß: Doppelt so viele Menschen haben 2018 ihre Stimme abgeben. „Auch wenn sich Teltow von Note 4,02 (2016) auf 3,81 leicht verbessern konnte, in Teltow ist noch Luft nach oben. In den Bereichen Sicherheit und Komfort beim Radfahren wurde der Stadt wieder nur ein ausreichend attestiert“, so Markus Jurziczek, Sprecher der ADFC Ortsgruppe Teltow.

Für Jurziczek keine Überraschung: „Das Radwegenetz in Teltow ist ein Flickenteppich, viele benutzungspflichtige Radwege enden plötzlich im Gehwegbereich oder es mangelt an geführten Abbiegemöglichkeiten. Um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten, muss es verständliche und einheitliche Regeln geben!“ Eine weitere Baustelle ist die Fahrradmitnahme im ÖPNV: Die Mitnahme von Fahrrädern in den städtischen Buslinien ist regulär nicht möglich. Umso wichtigerer ist ein ausreichendes Angebot an Stellplätzen an den Haltestellen.

HINTERGRUND

Ergebnisse aus Brandenburg

Rekord-Teilnahme in Brandenburg


In Brandenburg haben 5.629 Personen abgestimmt, das macht im Vergleich zu 2016 eine Steigerung von 45 Prozent (2016: 3.869). Der Anteil der ADFC- Mitglieder ist mit 6 Prozent sehr gering (Bundesdurschnitt: 15 Prozent). Das heißt, die Befragung konnte viele Menschen außerhalb des vereinsinternen Milieus erreichen. Die starke Resonanz auch außerhalb des ADFC zeigt, dass das Fahrrad für viele Menschen in Brandenburg ein wichtiges Anliegen ist.

Mittelwerte der fünf Kategorien


                                                                          2018    2016
Fahrrad- und Verkehrsklima (F1...5)              3,5    3,3
Stellenwert des Radverkehrs (F6…10)         3,9    3,7
Sicherheit beim Radfahren (F11…17)           3,8    3,7
Komfort beim Radfahren (F18…22)               4,1    3,9
Infrastruktur Rad- Verkehrsnetz (F23…27)    3,3    3,2
MITTELWERTE                                                 3,72    3,56

Ergebnisse der Brandenburger Kommunen


In die Wertung gekommen sind 36 märkische Städte und Gemeinden (2016: 27), das macht eine Steigerung um 33 Prozent. Vereinfacht kann die Bewertung als Schulnote interpretiert werden. Die Ergebnisse jeder Kommune können online abgerufen werden: www.fahrradklima-test.de/karte.

Ergebnistabellen:

ADFC Fahrradklima-Test_2018: Ergebnistabelle nach Bundesländern

ADFC Fahrradklima-Test_2018: Ergebnistabelle Familienfreundlichkeit

ADFC Fahrradklima-Test 2018:  STAEDTERANKING

NICHT mehr in die Auswertung sind gekommen:
Bad Belzig, Eisenhüttenstadt, Liebenwalde, Treuenbrietzen, Trebbin


Hinweise für Redaktionen


Die vollständigen Ergebnisse des ADFC-Fahrradklima-Tests 2018 finden Sie ab 9. April 2019, 13 Uhr, auf www.fahrradklima-test.de/karte. Die Rangliste der fahrradfreundlichsten Städte finden Sie unter dem Reiter „Städteranking“. Die Ergebnisse einzelner Städte gibt es im pdf bei Zoom auf die Karte oder Eingabe des Stadtnamens.

Die Pressemitteilung des ADFC Bundesverbands sowie Themenfotos zum ADFC-Fahrradklima-Test gibt es im Pressebereich. Eine Liste der häufig gestellten Fragen mit Antworten gibt es in unserem Dossier zum Fahrradklima-Test.

Pressekontakte

Zu den bundesweiten Ergebnissen:
ADFC Bundesverband
Stephanie Krone, Pressesprecherin
Tel.: 030 209 14 98-65
E-Mail: presse@adfc.de

Zu den landesweiten Ergebnissen:
ADFC Brandenburg
Stefan Overkamp, Landesvorsitzender
Tel.: 03328 332300
Mobil: 0173 2661089

Magdalena Westkemper, Landesgeschäftsführern
Tel.: 03 31  280 05 95
Mobil: 0176 98 55 71 88
E-Mail: brandenburg@adfc.de

Zu den Ergebnissen der einzelnen Kommunen
Kontaktieren Sie bitte die Sprecherinnen und Sprecher in den ADFC Ortsgruppen. Die Kontakte finden Sie hier:  

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