Verkehrsversuch in der Zeppelinstraße – eine mutige Entscheidung und notwendige Maßnahme

Zeppelinstraße nach dem Umbau (Foto bearbeitet)

Wer in Potsdam mit dem Rad unterwegs ist, weiß die gute Entwicklung für Radfahrende in den letzten Jahren zu schätzen. Sicher ist noch nicht alles perfekt, aber der Radverkehrsanteil in unsere Stadt steigt stetig und zeigt, dass der Weg richtig ist.

Die Zeppelinstraße allerdings war und ist noch ein Negativbeispiel für misslungene Verkehrsplanung früherer Jahre. Auf schmalen Wegen mit Einengungen durch Treppen, Baumscheiben und Hauseinfahrten müssen sich zu Fußgehende und Radfahrende den Platz teilen, während auf der Straße zwei Spuren je Richtung für den motorisierten Verkehr zur Verfügung stehen.

Wollen wir mal ehrlich sein: eine notwendige Verringerung der Fahrspuren nur zu Gunsten eines Radstreifens, nur um dem Radverkehr mehr Raum zu verschaffen, wäre politisch wohl schwer durchsetzbar gewesen. Zu laut tönt die Stimme der Autofahrer über die der Radfahrer.

Unverhoffte Unterstützung kam von einer ganz anderen Seite: die zu hohe Umweltbelastung in der Zeppelinstraße. Vor allem die seit Jahren zu hohe Schadstoffkonzentration war ausschlaggebend für den in diesem Sommer gestarteten Modellversuch. Die regelmäßige Überschreitung der durch die EU vorgeschriebenen Grenzwerte bei Luftschadstoffen in der Zeppelinstraße machten Maßnahmen zwingend notwendig. In Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Entwicklung hat die Stadt Potsdam einen Maßnahmeplan erstellt, um die hohe Belastung an gesundheitsschädlichen Luftschadstoffen zu reduzieren. Der Modellversuch ist also keine willkürliche Entscheidung um die Autofahrer zu ärgern, sondern das Ergebnis einer umfassenden Untersuchung aller möglichen Maßnahmen. Während der Laufzeit des Modellversuchs wird der Straßenraum neu aufgeteilt. Für Autofahrer stehen jeweils stadteinwärts und stadtauswärts eine durchgängige Fahrspur sowie eine Abbiegespur zur Verfügung. Stadtauswärts ist für Fahrradfahrer zwischen Geschwister-Scholl-Straße und Kastanienallee ein Radfahrstreifen markiert.

Durch den Modellversuch wird getestet, ob die Neuaufteilung des Straßenraums eine dauerhafte Änderung des Verkehrsverhaltens nach sich zieht. Deshalb werden neben der Schadstoffbelastung auch die Reisezeit, die Verkehrsbelastung auf der Zeppelinstraße und den umliegenden Straßen sowie Verkehrsunfälle erfasst.

Und wer hätte es gedacht: Anwohner freuen sich über weniger Lärm, Radfahrende über mehr Platz und die Schadstoffbelastung ist nachweislich gesunken. Der Nachteil: Autofahrer stehen zu Stoßzeiten frustriert im Stau und beschweren sich natürlich lautstark. Im Gegensatz dazu sind die Gewinner dieser Situation stille Genießer und werden deshalb nicht gehört.

Es wäre gut, wenn sich der eine oder andere Autofreund überlegt, ob er oder sie nicht doch mit dem Zug fährt oder mit dem Fahrrad etwas für seine Gesundheit tun möchte. Dann wäre mehr Platz für die, die tatsächlich Platz auf der Straße brauchen, wie die Linienbusse, Lieferverkehre oder Krankenwagen.

Aktuelle Ergebnisse der Schadstoffmessungen gibt es unter folgenden Links:

www.umweltbundesamt.de/daten/luftbelastung/aktuelle-luftdaten
luftdaten.brandenburg.de/home/-/bereich/messstationen

 

Verzeichnis der geführten Radtouren des ADFC-Brandenburg e.V.

Hier Radreise planen

Bett+Bike – Fahrradfreundliche Gastbetriebe

Der ADFC ist in mehr als 450 Städten in Deutschland vertreten. Hier finden Sie Ihren direkten Ansprechpartner vor Ort.

ADFC-Tourenportal

Shop des ADFC-Berlin