Fahrradklima-Test 2014: Stärken und Schwächen der Brandenburger Kommunen

Radverkehr fördern oder verhindern?

Stand: 10.3.2015

Wie fahrradfreundlich sind Brandenburgs Kommunen? Diese Frage stellte im Herbst 2014 der ADFC-Fahrradklima-Test bundesweit. 2.906 Brandenburgerinnen und Brandenburger haben in 19 Kommunen anhand von 27 Fragen ihre Städten und Gemeinden nach dem Schulnotensystem bewertet: Spitzenplätze belegen Potsdam, Ketzin/Havel und Oranienburg, im soliden Mittelfeld bewegen sich z.B. Cottbus, Schwedt/Oder und Hennigsdorf und Schlusslichter sind Frankfurt (Oder), Teltow und Falkensee. „Radfahren macht im Prinzip Spaß, die Bedingungen sind aber oft schlecht“ – das ist, verkürzt gesagt, die Kernbotschaft der Befragten. Der Fahrradklima-Test zeigt, was schon gut läuft und wo dringend etwas getan werden muss.

Welche Kommunen haben es in die Auswertung geschafft?


19 Brandenburger Kommunen haben die Mindestbefragtenzahl von 50 (bzw. 70) Personen erreicht, um es in die Auswertung zu schaffen. Davon sind 13 neu dabei im Vergleich zum Fahrradklima-Test 2012:

  • Bad Belzig (neu)
  • Bernau bei Berlin (neu)
  • Brandenburg a.d.H.
  • Cottbus
  • Eberswalde
  • Falkensee (neu)
  • Frankfurt (Oder)
  • Hennigsdorf (neu)
  • Ketzin (neu)
  • Kleinmachnow (neu)
  • Michendorf (neu)
  • Neuruppin (neu)
  • Oranienburg
  • Potsdam
  • Schwedt/Oder (neu)
  • Teltow (neu)
  • Treuenbrietzen (neu)
  • Velten (neu)
  • Wusterhausen/Dosse (neu)

Spitzenreiter, Aufholer und Schlusslichter


Eingeteilt wurden die Kommunen in drei Größengruppen: erstens 100.000–200.000 Einwohnerinnen und Einwohner, zweitens 50.000–100.000 Einw. und drittens unter 50.000 Einw.

ADFC Brandenburg-Vorsitzender Dirk Israel sagt: „Fahrradfreundlichkeit ist ein guter Gradmesser für die Lebensqualität in einer Stadt. Die Umfrage zeigt für die Spitzenreiter in Brandenburg, dass kontinuierliche Radverkehrsförderung honoriert wird und sich in einem guten Verkehrsklima niederschlägt.“ Dies gilt in Brandenburg zum Beispiel für Potsdam, das bundesweit den vierten Platz von 37 Plätzen in der ersten Größengruppe belegt. Auch Oranienburg und Eberswalde glänzen mit konkreten Maßnahmen zur Radverkehrsförderung und werden dafür mit den Plätzen 14 und 18 von 292 Plätzen bundesweit in der dritten Größengruppe belohnt. Das ist nochmal eine große Verbesserung im Vergleich zum Jahr 2012.

In der dritten Größengruppe belegt Ketzin/Havel als Neueinsteiger bundesweit den zweiten Platz (unter 292 Kommunen) und wird dafür offiziell vom Bundesverkehrsministerium geehrt. Laut der Umfrage macht Fahrradfahren in der 6.000-Einwohner Stadt einfach Spaß. Regen Zuspruch fand die Aussage „Bei uns fahren alle Rad – ob alt oder jung“. Die Befragten fühlen sich insgesamt sicher und bewerten auch die Infrastruktur als gut. Aber auch Ketzin kann noch an seinen Schwächen arbeiten, so fühlen sich die Radfahrenden nicht selten von Autos bedrängt und öffentliche Leihfahräder werden vermisst. Die schlechteste Note erhält Ketzin für die ungenügende Mitnahmemöglichkeit von Fahrrädern im öffentlichen Verkehr. Das fällt schwer ins Gewicht, wenn man bedenkt, dass der nächste Bahnhof in Wustermark 13 km weit entfernt ist und öffentlich nur mit dem Bus erreichbar ist.

In Frankfurt (Oder) hingegen werden Radfahrerinnen und Radfahrer laut der Umfrage immer noch nicht respektiert. In der Öffentlichkeit wird kaum aktiv für das Fahrradfahren geworben. Besonders unzufrieden mit Beschaffenheit, Reinigung und Winterdienst auf Radwegen. So landet die Stadt in der zweiten Größengruppe bundesweit auf dem 92. von 100 Plätzen.

Nicht besser ergeht es in der dritten Größengruppe Teltow und Falkensee, wo sich die Befragten besonders über Konflikte mit Autos, geduldetes Parken auf Radwegen und schlechte Führung an Baustellen ärgerten.

Landesweit sind Radfahrerinnen und Radfahren mit den Fahrrad-Mitnahmemöglichkeiten im Öffentlichen Verkehr unzufrieden.

Doch das muss nicht so bleiben: Konkrete Maßnahmen können das Verkehrsklima verbessern. Der Fahrradklima-Test zeigt, wo die Kommunen und das Land Brandenburg mit Unterstützung des ADFC ansetzen können.

Glanzpunkte und Schattenseiten

Die besten Bewertungen erhalten die Aspekte „gute Erreichbarkeit des Stadtzentrums mit dem Fahrrad“ (Ø 2,3), „alle fahren mit dem Rad – ob alt oder jung“ (Ø 2,4) und „gute und zügige Erreichbarkeit von Zielen mit dem Rad“ (Ø 2,4).
Die negativsten Bewertungen gab es in den Bereichen „Radverkehrsführung an Baustellen“ (Ø 4,2), „Fahrradmitnahme im Öffentlichen Verkehr“ (Ø 4,3) und „Öffentliche Leihfahrräder“ (Ø 4,4).

Konkrete Maßnahmen

Die Ergebnisse zeigen, dass sich zum Teil schon mit überschaubaren Maßnahmen die Situation verbessern ließe, so zum Beispiel durch Herbst- und Winterdienst für Radwege sowie radfreundliche Lösungen an Baustellen.

Für die größeren Probleme ist jedoch ein Umdenken nötig. „Mehr Radverkehr ist gesellschaftlich gewünscht und politisch gewollt. Jetzt brauchen wir mehr Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, die das Rad zu ihrer Priorität machen“, so Dirk Israel. „Wer lebenswerte Städte will, muss weg von der autogerechten Stadt und mehr Platz schaffen für Menschen, die mit dem Rad fahren oder zu Fuß gehen.“

Über 100.000 Teilnehmer bundesweit

Der ADFC-Fahrradklima-Test ist die größte Befragung zum Radfahrklima weltweit und wurde im Herbst 2014 zum sechsten Mal durchgeführt. Er wird gefördert vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur im Rahmen des Nationalen Radverkehrsplans. Über 100.000 Menschen stimmten bundesweit ab – eine Steigerung von 25 Prozent gegenüber dem letzten Test im Jahr 2012. Die Zunahme führt der ADFC auf das wachsende Interesse am Thema Fahrrad und Radverkehr zurück. Die bundesweiten Ergebnisse wurden heute in Berlin vorgestellt, Sie finden Sie auf www.adfc.de/presse.

Die Ergebnisse für Brandenburg im Detail


 FKT 2014 Ergebnistabelle Brandenburg

Stärken und Schwächen für die einzelnen Kommunen auf einem Datenblatt


Interaktive Deutschlandkarte mit den Ergebnissen der Kommunen zum Download als pdf

Zur Pressemitteilung


PM: Radfahren in Brandenburger Kommunen: ADFC-Fahrradklima-Test 2014 zeigt Stärken und Schwächen auf

Pressekontakt


Lea Hartung (in der Regel erreichbar montags, dienstags und freitags)
Geschäftsführerin des ADFC Brandenburg e. V.
Tel.: 03 31 / 280 05 95
mobil: 01 76 / 98 55 71 88
Fax: 03 31 / 270 70  77
E-Mail: lea.hartung@adfc.de

Glanzpunkte und Schattenseiten

Die besten Bewertungen erhalten die Aspekte „gute Erreichbarkeit des Stadtzentrums mit dem Fahrrad“ (Ø 2,3), „alle fahren mit dem Rad – ob alt oder jung“ (Ø 2,4) und „gute und zügige Erreichbarkeit von Zielen mit dem Rad“ (Ø 2,4).

Die negativsten Bewertungen gab es in den Bereichen „Radverkehrsführung an Baustellen“ (Ø 4,2), „Fahrradmitnahme im Öffentlichen Verkehr“ (Ø 4,3) und „Öffentliche Leihfahrräder“ (Ø 4,4).

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