Das Fahrrad ist die Lösung

In Kopenhagen wird Radfahrern der blaue Teppich ausgerollt. Foto: ADFC / K. Klama

Das ewige Gejammer über steigende Spritpreise zu Ostern, in der Urlaubszeit und zu Weihnachten liegt uns im Ohr. Politiker zeigen ihre vermeintliche Volksverbundenheit, indem sie Forderungen nach Erhöhung der Kilometerpauschale postulieren und Autolobbyisten zum Munde reden: „Das Autofahren muss bezahlbar bleiben“.

Dabei haben wir Marktwirtschaft: Und das heißt, dass knappe Güter teurer werden. Auch wenn diverse Gründe in die Preisbildung hineinspielen: Am Ende wird das Öl alle sein und vorher werden die Energiepreise kräftig steigen. Doch nicht nur der Spritpreis steigt: Der ADAC hat berechnet, dass der preiswerteste Neuwagen, ein asiatischer Kleinstwagen, unter normalen Bedingungen 328 Euro im Monat kostet, wenn man die tatsächlichen Kosten wie Werteverlust, Versicherung usw. mit einbezieht (ADAC Motorwelt 04/2012). Eine Summe, bei der nicht nur Geringverdiener schlucken müssen...

Statistiken bestätigen die gefühlten Kosten: Zwischen 2005 und 2011 stiegen die Lebenshaltungskosten um circa 11%, die Kosten für die Mobilität deutlich mehr (allein Kraftstoff um 28%). Viele Bürger haben sich bereits für die beste Alternative entschieden und fahren mehrmals in der Woche oder sogar täglich mit dem Rad. Sie wollen, dass sich die Bedingungen für die Alltagsfahrer deutlich verbessern. In unserem Land hat sich viel Positives entwickelt: Der „Erste Fahrradbericht für das Land Brandenburg“ aus dem Jahr 2011 zeigt die Erfolge auf. Für unsere touristische Infrastruktur werden wir bundesweit gelobt, der Anteil der Radfahrer am Gesamtverkehr ist der höchste in einem Flächenland in der gesamten Bundesrepublik. Dennoch macht sich das Gefühl breit, dass die Politiker sich zufrieden geben mit dem Erreichten und den Trend zur stärkeren Fahrradnutzung völlig verschlafen.

Wenn man über eine bessere Verkehrssicherheit reden will, wird eine Helmpflicht ins Spiel gebracht, statt die Ursachen der Unfälle zu beseitigen (fehlende Sichtbeziehungen zwischen den Verkehrsteilnehmern, zu hohe Geschwindigkeiten etc.). Die Mittel für den Radwegebau entlang der Bundes- und Landesstraßen werden zusammengestrichen. Die von ausgewiesenen Fachleuten aufgestellten „Empfehlungen zur Errichtung von Radverkehrsanlagen“ (ERA) werden zwar in Behördenschreiben positiv gewertet, aber nicht verbindlich eingeführt. Fast alle unsere Nachbarländer haben das getan und nehmen damit ihre Verwaltungen in die Pflicht; in Brandenburg müssen wir weiter mit „Ewig Gestrigen“ vor Ort diskutieren, damit die Empfehlungen in konkrete Planungen umgesetzt werden können. Das EU-Parlament fordert mit großer Mehrheit (auch mit den Stimmen der CDU und FDP), dass in allen europäischen Orten zur Stärkung der Sicherheit Tempo 30 eingeführt wird. Regelmäßig folgen solchen Beschlüssen (zum Teil leider erst nach jahrelangen weiteren Diskussionen) entsprechende Umsetzungsbeschlüsse – siehe Feinstaub- und Lärmbelastung. Man kann sich also heute bereits darauf einstellen, dass man in einigen Jahren begründen muss, wenn eine Straße mit 50 ausgeschildert werden soll. Doch welcher Politiker und welcher Beamte tut das?

Dass es besser geht, zeigt (nicht nur) Kopenhagen: Bis zu fünf Meter breite Radwege, damit das Überholen problemlos möglich ist. Diese sind „natürlich“ in einem guten Zustand, werden regelmäßig von extra dafür eingestellten Verwaltungsmitarbeitern überwacht und bei Bedarf ausgebessert. Ich höre schon das Gegenargument: Zu teuer und außerdem haben wir keinen Platz. Zu teuer ist wirklich kein Argument, wenn man die für den Radverkehr ausgegebenen Mittel ins Verhältnis zu seinem Anteil am Gesamtverkehr setzt: Da wären noch etliche Millionen frei, vom Fughafen wollen wir gar nicht erst anfangen. Wenn man dann noch die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (Gesundheit, Umwelt, Unfallfolgekosten etc.) einbezieht... Und das mit dem Platz ist oft eine Mutentscheidung gegen eine starke Lobby, aber für die Mehrheit der Bevölkerung.

„Kopenhagenisieren“ wir Brandenburg! Ihre Hilfe ist dabei gefragt.

Dirk Israel

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