Radfahren mit Fontane – ein Ausflug nach Neuruppin

Jan Juraschek in Neuruppin

Mit Sympathie, Geduld und Argumenten überzeugt Jan Juraschek einen nach dem anderen in Neuruppin von Verbesserungen im Radverkehr. Manchmal brauchen kleine Veränderungen ihre Zeit. Doch das hält ihn nicht ab, sich weiter für Optimierungen einzusetzen.

Mensch ist hier viel Platz zum Radfahren«, ist mein erster Gedanke als Jan Juraschek mich mit dem Rad seiner Kollegin am Bahnhof abholt. Bei einer Rundtour zeigt mir der Sachgebietsleiter für Stadtplanung die Fontanestadt aus der Perspektive des Radfahrens. Und Radfahren ist sein erklärtes Steckenpferd. Wir radeln durch die Altstadt – übrigens ein Flächendenkmal – und ich fühle mich vom ersten Pedaltritt an wie im Urlaub. Auf dem Radweg am Seeufer bekomme ich einen kleinen Einblick in die Fontanestadt Neuruppin. Nicht nur ich scheine in Urlaubsstimmung zu sein. Bei einem Fotostopp ruft uns ein Hausbootbesitzer zu, ob der Herr denn nicht mit dem Rad ins Wasser springen wolle? Das gäbe bestimmt ein schönes Foto fügt er grinsend hinzu. Jan Juraschek steht am Ufer, lässt sich geduldig ablichten und lächelt dem Hausbootbesitzer unbeirrt freundlich zu. Wer sich für den Fortschritt im Radverkehr einsetzt, lebt mit einem entspannten Gemüt einfach gesünder. Das ist in Neuruppin nicht anders als in Berlin oder dem Rest der Republik.

Radwerte Vorteile

In der Altstadt lässt es sich trotz historischer Kopfsteinpflasterstraßen auf der Hauptroute des Radverkehrs dank Bitumenrändern ohne Geruckel vorangekommen. An diversen Stellen wurde das Kopfsteinpflaster sogar durch ein so genanntes Betonsteinpflaster mit Naturvorsatz ersetzt. Das erleichtert das Radfahren ungemein und stieß noch nicht mal bei Denkmalschützern auf Gegenstimmen. »Neuruppin bietet ein wahnsinniges Potenzial zum Radfahren. Mehr als 80 Prozent der Einwohner wohnen im Fünf-Kilometerradius der Stadt. Wegen der flachen Topographie und der kompakten Stadtstruktur kommt man mit dem Rad sehr gut an sein Ziel«, erzählt Juraschek. Doch dies sind nicht die einzigen radwerten Vorteile der Stadt. »Wir konnten alle Wohngebiete in Tempo-30-Zonen herabsetzen und haben auch fast alle Einbahnstraßen in der Gegenrichtung für Radfahrer freigegeben«, freut er sich.

Auf dem Weg zur Fahrradstadt

Doch es gibt noch genug, was ihm nicht gefällt. Die Umleitungen bei Baustellen seien zu kompliziert und unsicher. Auch einige Lücken im Radwegenetz müssten geschlossen werden. Für 2016 plant er eine offizielle Defizit- und Mängelanalyse und hofft auf eine möglichst rege Beteiligung und Umsetzungsideen der Öffentlichkeit. Denn Neuruppin zu einer Fahrradstadt zu entwickeln, ist Jurascheks erklärtes Ziel. Dafür probiert er gern Neues aus: Die Gründungsmitgliedschaft Neuruppins der AGFK Brandenburg (Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen) ist schon mal ein Anfang, um bessere Bedingungen zu schaffen. Besonders gespannt ist er bei dem Projekt Modellversuch »Schutzstreifen außerorts« als eine Alternative zum separaten Radwegebau. Ende 2015 wird der Versuch abgeschlossen sein. Dann wird ausgewertet, ob diese Maßnahme sich für Radfahrer positiv ausgewirkt hat. Ich steige wieder in den Zug nach Berlin und freue mich auf den nächsten Besuch. Denn hier wird sich in Sachen Radfahren in den nächsten Jahren noch einiges tun. Dann soll es nämlich auch genügend Abstellmöglichkeiten für Räder am Bahnhof geben.

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