Mobilität für Flüchtlinge

Hans-Werner Schönnagel und Ngimbus John Tonye. Foto: Julia Lövenich

In Kleinmachnow stehen verkehrstüchtige Fahrräder für Geflüchtete kostenlos zur Verfügung. Die Idee: Eine erhöhte Alltagsmobilität für Geflüchtete, um kostengünstig zur Schule und zum Einkaufen zu gelangen. Außerdem soll der sprachliche und kulturelle Anschluss gefördert werden. Denn für die Reparaturen und Verkehrssicherheit der Räder sorgen ebenfalls Flüchtlinge. VON JULIA LÖVENICH.

Wohin das Auge auch blickt – überall stehen Fahrräder. »Schwer zu sagen wie viele das sind«, meint Hans-Werner Schönnagel. Ein paar Hundert vielleicht? Hier lehnen ein paar Damen- und Herrenräder, dort ein paar für Kinder. In der Werkstatt ist zurzeit kein Platz mehr für alle Fahrräder. Deswegen lagern sie nun im Flur und im Hof. Gezählt hat sie noch keiner, doch eines ist sicher: Die Hilfsbereitschaft der Nachbarschaft ist ungebrochen. »Wir haben erst vor kurzem viele Fahrrad-Spenden bekommen«, freut sich Neels Wirringa, Fachgebietsleiter der Union Sozialer Einrichtungen (USE). Mobilität ist ein wichtiger Aspekt im Rahmen der Willkommenskultur. Deswegen reparieren in Kleinmachnow Flüchtlinge Räder für andere Flüchtlinge. Das Projekt wurde vor vier Monaten von der USE und dem ADFC Kleinmachnow ins Leben gerufen. Peter Weis, stellvertretender Sprecher der ADFC-Ortsgruppe, wurde dafür mit einer Ehrenamtsurkunde der Stadt ausgezeichnet. Die USE möchte die Geflüchteten unterstützen und gleichzeitig eine Möglichkeit für sprachlichen Anschluss und kulturellen Austausch schaffen.
Hans-Werner Schönnagel hat langjährige Erfahrung mit der Reparatur von Zweirädern und bringt diese zusammen mit dem Kameruner Ngimbus John Tonye auf Vordermann. Denn bei einigen muss noch ordentlich etwas geschraubt werden, damit sie verkehrssicher sind. Rund 100 aufbereitete Velos wurden schon an Bewohner der Übergangswohnheime ausgegeben. Der zukünftige Reparaturservice ist dabei sogar inklusive. Alle Objekte werden durch ein vom ADFC entwickeltes System codiert. Mit der ADFC-Fahrradcodierung wird jedem Übergangswohnheim ein eigener Primärcode zugewiesen. Der Vorteil: Die Räder bleiben vor Ort und stehen danach einem neuen Geflüchteten zur Verfügung.
Oft haben Geflüchtete eine anstrengende Reise hinter sich. Zwei Jahre und sechs Monate dauerte beispielsweise die Flucht von Tonye aus Kamerun nach Deutschland. Er ist froh, dass er nun in hier ist. Der gelernte Elektriker fühlt sich endlich sicher und sehr wohl. Er schätzt die Freundlichkeit der Deutschen. »Ich freue mich über diese Tätigkeit«, sagt er. »Das ist viel besser, als herumzusitzen und nichts zu tun zu haben.« Seine Arbeit in der Werkstatt ist außerdem eine Möglichkeit, ein wenig dazuzuverdienen. Nach § 5 AsylbLG darf er 1,05 Euro pro Stunde zusätzlich zu anderen Leistungen verdienen. Apropos Integration: Ngimbus John Tonye lernt nicht nur Deutsch, Hans-Werner Schönnagel hat durch ihn auch seine Englischkenntnisse verbessert. Auch sonst verstehen sie sich gut: »Läuft super mit ihm«, meint Schönnagel anerkennend.

Mehr Informationen: http://brandenburg.adfc.de/3086


Annahme von Fahrradspende und Ausgabe von Fahrrädern (gegen Nachweis der Bedürftigkeit): Montag bis Freitag von 8:30 bis 13:30 Uhr. Union Sozialer Einrichtungen (USE), Am Fuchsbau 47, 14532 Kleinmachnow. Prüfung der aktuellen Verfügbarkeit unter 03 32 03 / 868 80 22.

Der ADFC bittet um Spenden zur Unterstützung der Aktivitäten. Benötigt werden u.a. ein Zentriergerät, Montageständer und Werkzeug.


ADFC Landesverband Brandenburg e.V.
Verwendungszweck: »Spende Fahrräder für Flüchtlinge«
IBAN: DE33 1009 0000 1800 4760 00
BIC: BEVODEBB

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